Das Haar – ein Wunderwerk der Natur

Das menschliche Haar gehört zu den aktivsten zellbildenden Geweben des menschlichen Körpers. Jeder Mensch hat etwa 80.000 bis 120.000 Haare auf dem Kopf, röhrenförmige Hornfäden, die aus Keratin, Pigmenten, Mineralien, Lipiden und Wasser bestehen. Der unlösliche und äußerst widerstandsfähige Eiweißstoff Keratin verrät dabei die enge Verwandtschaft zu den Nägeln. Trotz ihrer strukturellen Ähnlichkeit unterscheiden sich Haare und Nägel deutlich in Bezug auf den Ablauf ihrer Entstehung. Anders als das kontinuierlich verlaufende Nagelwachstum schreitet das Haarwachstum zyklisch fort. Dabei nimmt die Länge der Haare täglich um etwa 0,3 Millimeter, also monatlich um ungefähr einen Zentimeter zu. Bei gesundem Haarwachstum sorgt der jeweils eigene Wachstumsrhythmus der einzelnen Haarfollikel dafür, dass die Haarfülle konstant erhalten bleibt. Nimmt man einen Durchschnitt von 100.000 Kopfhaaren an, so ergeben sich sagenhafte 30 Meter an Haarwachstum an nur einem einzigen Tag!

Anatomische Merkmale des Haares

Anatomische Merkmale des Haares

Haare bestehen aus

  • dem sichtbaren, schräg aus der Haut herauswachsenden Haarschaft mit der berühmten ‚Haaresbreite‘ von gerade einmal 0,05 bis 0,08 Millimetern und
  • der Haarwurzel, die fest im Bindegewebe tieferer Hautschichten verankert ist.

In den Gewebestrukturen der Haarwurzel liegt der Ursprung des Haarwachstums. Wirft man einen Blick auf den vielschichtig aufgebauten, unter der Haut liegenden Abschnitt des Haarorgans, wird die komplexe Funktionsweise der Haare schnell deutlich.

  • Haarfollikel:

    Nur der Haarfollikel eines kompletten Haares enthält lebende Zellen. Es ist von einer inneren und einer äußeren Haarwurzelscheide umhüllt, in deren direkter Nähe empfindliche Nervenzellen liegen. Diese sind dafür verantwortlich, dass ein bestimmter Muskel aktiviert wird, so dass sich Haare unter anderem bei Kälte oder Erregung aufrichten.
  • Haarpapille:

    Die Haarpapille ist ein Teil des Haarfollikels. Sie besteht aus gut durchblutetem Bindegewebe, das die Haarwurzel umschließt und mit Nährstoffen versorgt. Die Haarpapille ist außerdem indirekt für die Haarfarbe verantwortlich – an ihr sitzen Zellen (Melanozyten), die Pigmente an das wachsende Haar abgeben und dadurch sein Aussehen bestimmen.
  • Haarzwiebel und Haarmatrix:

    An der Grenze zur Papille ist die Haarwurzel verdickt und ähnelt einer mikroskopisch kleinen Zwiebel. In ihr liegt die sogenannte Haarmatrix – der eigentliche Entstehungsort des neuen Haares. Die Matrix bildet Hornzellen, die durch Keratin ausgehärtet werden. Je mehr neu produzierte Zellen vorhanden sind, desto weiter schieben sie sich nach oben. Ein neues Haar entsteht!

Drei Phasen des Haarwachstums

Das Haarwachstum ist ein komplexer Prozess und erfolgt im Rahmen des Haarwachstumszyklus in unterschiedlichen Phasen.

1. Wachstumsphase

1. Wachstumsphase

Die Wachstumsphase ist die Phase des aktiven Wachstums. Sie dauert etwa zwei bis sechs Jahre, je nach genetischer Veranlagung. In diesem Zeitraum stellt die Haarwurzel permanent die für das Haar benötigte Haarsubstanz her. So wächst das Haar täglich um etwa 0,35 mm und kann in der gesamten Wachstumsphase etwa 25 bis 70 cm lang werden. Die Wachstumsphase ist sehr stoffwechselaktiv. Sie läuft nur dann reibungslos ab, wenn die Haarwurzel ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. In der Wachstumsphase befinden sich beim gesunden Haarwachstum etwa 85 der Haare.

2. Übergangsphase

2. Übergangsphase

Die Phase, in der die Haarwurzel umgebaut wird, wird als Übergangsphase bezeichnet. In dieser Phase, die ein bis zwei Wochen dauert, stellen die Haarwurzelzellen vorübergehend die Zellteilung und die Haarproduktion ein. Das untere Ende des Haares verhornt und das Haar kann nach oben heraus geschoben werden. Dort wird es aber noch in der Haarwurzel festgehalten. In der Übergangsphase befinden sich etwa 1 bis 3 % der Haare.

3. Ruhephase

3. Ruhephase

In der Ruhephase verbleibt das Haar ein bis drei Monate in der Haarwurzel und fällt dann z. B. durch Waschen, Kämmen oder durch das nachwachsende Haar aus. Bei einem normalen Haarwachstumszyklus fallen täglich bis zu 100 Haare aus. In der Ruhephase befinden sich ca. 15% der Haare.

Im Anschluss an diese drei Phasen beginnt eine neue Wachstumsphase der Haarwurzel.

Der Prozess des Haarwachstums kann empfindlich auf verschiedene Faktoren wie Stress, Ernährung, Umwelt und hormonelle Einflüsse reagieren. Wenn sich also einige dieser Faktoren negativ auf den Haarwachstumszyklus auswirken, kann es zu Haarausfall und dünner werdendem Haar kommen. Ein Problem, das viele betrifft, oft als sehr belastend empfunden wird und dann dazu führen kann, dass das Selbstwertgefühl stark beeinträchtigt wird.